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(C) 1985 Kingsoft |
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Kommentar
Wie man meinen bisherigen Kommentaren zu Computerspielen schon ein wenig anmerken kann (und ich hab's glaube ich auch irgendwo mal geschrieben) war mein erster eigener Computer seinerzeit ein Amstrad CPC 464. Aber natürlich kannte ich nicht nur dieses System, sondern bin durch Verwandte und Freunde auch auf manch anderen zeitgenössischen Rechner gestoßen worden, wie etwa den C64 oder den Atari XE. Und dann war da noch dieser schwarze Exot, der so vertraut aussah und doch wieder so fremd war: Der Commodore 16.
Der C16, ein leider als halbgar zu bezeichnendes Produkt aus der trotz allem erfolgreichsten Computerschmiede der 80er, war zusammen mit seinem großen Bruder Commodore Plus/4 und dem Kuriosum Commodore 116 auf den Markt geworfen worden, um... ja, da haperte es dann. So richtig wusste nämlich nicht mal Commodore, was sie mit dieser Modellreihe, die weder zum Commodore 64 noch zum VC 20 kompatibel war, erreichen wollte. Und so konnte der C16 sich nie so wirklich am Markt durchsetzen. In Deutschland erreichte er dennoch eine recht weite Verbreitung, was ganz einfach daran lag, dass er der erste Aldi-Computer gewesen sein dürfte.
Im Zuge dieser Vermarktungsidee zog der C16 im klassischen Brotkastengehäuse auch bei einem Nachbarn von mir ein, der sich auch schnell die interessantesten Spiele für das Gerät "organisiert" hatte. Ich kann mich nicht erinnern, wirklich viel Zeit bei ihm und mit diesem Computer zugebracht zu haben, aber der Name "Ghost Town", der hat sich mir nachhaltig ins Gedächtnis eingebrannt. Lange Jahre, ohne dass ich wirklich etwas damit hätte anfangen können. Doch dann kam irgendwann die Emulatorwelle bei mir richtig ins Laufen und ich konnte meine Bekanntschaft zu diesem Actionadventure aus dem Hause Kingsoft, wenn man den zeitgenössischen Zeitschriften glauben möchte die Firma in Sachen C16, erneuern. Inzwischen habe ich übrigens sowohl Spiel als auch Rechner (nebst einem leicht lädierten Plus/4) real in meinem Regal stehen.
Was ist also das besondere an "Ghost Town", dass ich mich noch nach Jahren daran erinnern konnte? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, denn etwas wirklich besonderes ist das Spiel eigentlich nicht. Der Spieler steuert eine Figur, die nach der Story in der Anleitung einen geheimnisvollen Schatz in der Stadt Ghost Town finden muss, ohne dabei dem bösen Zauberer Belegro in die Hände zu laufen. Wie man sehen kann ist dies ein Plot, wie er typischer für die alten Spiele nicht sein könnte. Der Eingangsbildschirm verspricht uns 19 erstaunliche Hires-Räume. Nun, ich kenne nicht so viele Spiele für den C16, aber ich würde die Graphik bei diesem hier durchaus als für das System gelungen einschätzen. Die Objekte sind alle schön groß und auch recht detailliert, man kann erkennen, um was es sich handelt. Bei der Spielfigur gingen den Programmierern wohl die Farben aus, anders kann ich mir den leichten Grünstich in des Helden Gesicht nicht erklären.
Man steuert seinen Held durch die meist labyrinthartig angelegten Räume, immer auf dem Weg zur nächsten Tür, also dem nächsten Raum, weil am Ende der gesuchte Schatz stehen wird. In den Räumen befinden sich meistens irgendwelche Gegenstände. Das kann eine Leiter sein, zu der man aber erst den passenden Schlüssel finden muss, oder auch mal eine Glühbirne. Besonders wichtig sind die Fragezeichen, die es an bestimmten Stellen gibt, denn diese geben Hinweise auf besonders kniffelige Stellen im Spiel. Und kniffelig ist es durchaus an der einen oder anderen Stelle, was man diesem überschaubaren Konzept überhaupt nicht zutrauen würde.
Damit sind wir auch direkt beim Hauptproblem von "Ghost Town", es ist extrem schwer. Man hat nur ein Leben und es lauern jede Menge Fallstricke, die einem sofort den Gar ausmachen. So kann man sich an Büschen verletzen, in eine verbotene Zone laufen, eine falsche Tür öffnen oder ganz simpel einen Gegenstand zur falschen Zeit aufnehmen. Sofort erscheint ein himmelblauer Bildschirm (ihr werdet ihn nach dem 20. Mal hassen!) und teilt mit, woran ihr gestorben seid. Und dann geht alles wieder zurück zum Start. Eine Möglichkeit, an einer bestimmten Stelle im Spiel weiter zu machen, gibt es nicht (Emulatoren haben das Problem heutzutage durch das Abspeichern von Images gelöst). Das kann auf die Dauer sehr frustrieren, wenn man sich gerade in Raum 15 vorgearbeitet hat, dort einen Fehler begeht, und alles wieder von vorn beginnt. Vor allem Raum 9 ist in dieser Hinsicht eine Freude, wo man aufgrund der recht sensiblen Steuerung mal schnell in die verbotene Zone rein läuft. Durch diesen Raum muss man auch direkt mehrmals laufen.
Was auf der einen Seite sein Problem ist, ist auf der anderen Seite aber auch immer neue Motivation, so paradox wie es sich anhört. Denn dadurch, dass "Ghost Town" keinen Fehler vergibt und sagt, was falsch gelaufen ist, kommt man langsam aber sicher in ein learning-by-doing und sagt sich selbst "beim nächsten Mal weiß ich, was ich falsch gemacht habe". Und dann probiert man und probiert, bis man irgendwann den Dreh raus hat. Denn auch wenn "Ghost Town" schwer ist, es ist nicht unfair. Es gibt zwei Knackstellen, hinter die man mit ein wenig Knobelei aber kommen kann.
Erleichternd kommt hinzu, dass es im Spiel nur sehr wenige "aktive" Gegner gibt. Die meisten Gefahren ergeben sich aus der reinen Landschaft heraus. Auf den ersten Blick scheint es so, als ob das Spiel recht langweilig wäre, ist es aber nicht. Die an einer Hand abzuzählenden sich bewegenden Gegner sind besonders durch die sensible Steuerung durchaus eine Herausforderung. Man wird aber genügend damit zu tun haben, erst einmal dorthin zu kommen.
"Ghost Town" ist also ein typisches Adventure aus einer Zeit, als Adventures eigentlich noch viel mit Text zu tun hatten. Trotzdem würde ich es so einsortieren, da der Aspekt der richtigen Kombination von Gegenständen ganz oben steht. Die Graphik unterstützt den Spieler dabei, die Musik ist unaufdringlich im Hintergrund. Die Langzeitmotivation würde ich gemessen an meinem eigenen Beispiel für sehr hoch halten. Und dass das nicht nur mir so geht beweisen die Diskussionen in C16-Foren im Internet, deren Teilnehmer alle von diesem Spiel schwärmen. Der einzige Nachteil ist, dass es dem Spieler nichts neues bietet, wenn man es einmal durchgespielt hat. Die Abläufe sind ewig gleich und an den Anfang konnte ich mich heute noch erinnern. Aber was soll man von einem Spiel, das in den 16 Kilobyte großen Speicher des C16 passt, auch an großer Abwechslung erwarten, noch dazu bei dieser Hardwareausnutzung.
Wenn ihr auch mal schauen wollt, wie das Spiel auf euch wirkt, dann startet am besten direkt durch zu www.c16.de wo es sowohl das Spiel als auch einen passenden Emulator dafür gibt. Ich persönlich habe mit YAPE sehr gute Erfahrungen gemacht. Auf der Seite gibt es übrigens auch einen Link zu einer Komplettlösung für das Spiel.
Eine kleine Nachbemerkung, die nichts mit dem Spiel an sich zu tun hat, muss ich an dieser Stelle noch loswerden. Ich habe mich, als ich noch jünger war, recht gerne mit der Programmierung meines Amstrad beschäftigt. Irgendwann wollte ich ein Spiel schreiben, das nie über das Planungsstadium und ein paar graphische Entwürfe hinaus kam: "Nitro Joe". Es sollte darum gehen, dass Joe durch die Welt ziehen und Sprengsätze entschärfen muss. Das erste Level hätte aus einem großen Labyrinth bestanden, mit Dornenhecken, an denen man sich stechen konnte und dergleichen. Ich konnte mich all die Jahre nicht daran erinnern, wie ich wohl auf die Idee gekommen war, was den Einfluss dargestellt hatte. Nachdem ich "Ghost Town" wieder entdeckte, konnte ich auch diese Frage zu den Akten legen. :-)